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von hadie community
donnerstag, 15.01.09
Nach dem traditionellen chinesischen Mondkalender endet am 26. Januar das Jahr der Ratte und pünktlich um Mitternacht des 27. beginnt das Jahr des Büffels. Für mich ist hier alles erledigt, am Sonntag reise ich ab. Die Studenten sind schon fort, machen sich wohl beim Reinigen des elterlichen Eigenheims mit Bambuszweigen nützlich, dekorieren Wände und Lampen mit roten und goldfarbenen Spruchbändern. Während der eigentlichen Neujahrstage darf nicht geputzt werden, um das neue Glück nicht gleich wieder hinaus zu kehren. Man verekelt allerlei Dömonen, opfert dem Küchengott und am letzten Tag des alten Jahres trifft sich die ganze Familie zum Essen, lässt die Ahnen hoch leben. Kleine Geschenke werden ausgetauscht, besonders beliebt sind rote Geldbriefchen. Mandarinen in gerader Zahl bringen Glück. Gegen 23.00 Uhr werden schon mal die Fenster geöffnet, um das neue Jahr herein zu lassen. Tonnenweise Feuer- und Räucherwerk werden abgebrannt. Die Feierlichkeiten enden erst am 15. Tag des neuen Mondmonats mit dem Laternenfest. Wobei die ganze Zeit auch der Frühling thematisiert wird, es gibt blühende Zweige aus Stoff oder zahllosen Lämpchen. Und mit etwas Glück wird am 11. Februar der kurze chinesische Winter tatsächlich schon wieder vorbei sein...
 
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von hadie community
donnerstag, 01.01.09
Im günstigsten Fall schaut man zu Silvester gemeinsam auf den alten Kalender. Und der war für China wieder einmal ereignisreich genug: Unruhen in Tibet, Erdbeben, Olympia, Melamin und Finanzkrise. Und ich hatte in diesem Jahr überwiegend mit grandios optimistischen Menschen zu tun, habe noch mehr Achtung vor dem Lehrerberuf gewonnen und etwas über die Kräfte gelernt, die die Weltwirtschaft antreiben - oder auch nicht mehr. Das Jahr ist wie im Fluge vergangen und die Chinesen lassen es überhaupt nicht knallen. Ist ja auch nur das Wessi-Neujahr, gerade mal ein paar Jahrhunderte alt. Zum chinesischen Neujahr gibt es dann auch hier Feuerwerk. Guten Rutsch - auf ein Neues!
 
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von hadie community
dienstag, 16.12.08
In Nanjing werden zu wenig Katzen gegessen. Deshalb reisen die überschüssigen Mietzen täglich zu Tausenden in Kisten per Bahn z. B. nach Dongguan in der Provinz Guangdong. Danwei hat einen Artikel aus Southern Metropolis Daily übersetzt: die Nanjinger Streuner werden nachts von "Katzenfischern" gefangen und an Grosshändler verkauft. Da der lokale Nanjinger Ess- Katzenmarkt wenig aufnahmefähig ist, werden die Tiere landesweit verkauft. Tierärztlich beaufsichtigt landen die Katzen vor allem im wohlhabenden Südosten des Landes. In einer angesagten Canton- Gaststätte kostet z. B. ein Teller "Gedünstete Katze" 147 Yuan. Nun wird mir auch klar, warum man hier nur entweder junge zutrauliche oder alte sehr scheue Katzen sieht. Die Zutraulichen werden nicht alt und die Scheuen sind für den Nachwuchs zuständig.
 
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von hadie community
freitag, 12.12.08
Immer wieder lerne ich neue Vokabeln, leider zu wenige chinesische. Diesmal ist es "trickledown", herunterrieseln. Wirtschaftlich gesehen meinen die Neoliberalen damit, dass bei wachsendem Reichtum der Besserverdienenden auch bei den unteren Bevölkerungsschichten etwas ankomme. Trickledown wurde unter Reagan propagiert, jetzt ist es wieder ein Thema, denn US-amerikanische Besserverdienende entlassen gerade massenhaft ihr Hauspersonal. Die New-York-Times vom 10.12.08 schätzt die Zahl der Entlassenen allein im Grossraum New York auf 200 000 Kindermädchen, Haushaltshilfen, Koeche und Gaertner u. a. Das Weib aber sprach: "Ja, Herr; doch essen die Hündlein von den Brosamen, die von ihrer Herren Tische fallen." (Matthäus 15.27) Geradezu biblischer Zorn mag einen da überkommen...
 
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von hadie community
freitag, 21.11.08
Kommt ein dicker Ork in den "World-of-Warcraft"-Laden und kauft sich einen neuen Hörnerhelm. "Soll ich ihn einpacken?", fragt der Zwerg hinter dem Ladentisch. "Ach lassen sie mal, ich behalte ihn gleich auf", antwortet der Ork. "Wie zahlen sie die Mehrwertsteuer?" will nun der Zwerg wissen. Der Ork grunzt ratlos. "Also entweder sie zahlen 20 % vom Verkaufspreis in unseren virtuellen Goldstücken oder ihr realer Spieler zahlt 3 % in richtigem Geld", erklärt der Zwerg.
Solche Szenen spielen sich derzeit überall in fernöstlichen Online-Welten ab, denn seit Mitte November verlangt das chinesische Finanzministerium Steuern auf Umsätze in virtuellen Währungen. Peking ist die erste Stadt, in der diese Steuern auch wirklich eingetrieben werden. Nachweispflichtig ist der Steuerzahler, bei unkooperativen Spielern wird geschätzt. Und es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis virtuelle Steuerberater, Finanzbeamte und Steuerfahner die Online-Welten unsicher machen. (Financial Times vom 04.11.08 und Ebigear News)
 
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von hadie community
mittwoch, 19.11.08
WeDe Krüger beschäftigt sich heute in der ASML ausführlich mit Arno Schmidts angeblichen "Flunkereien" um die Englandreise 1938. Welche Farbe hatte der Dampfer 'Monte Pascoal'? Warum brauchten die Schmidts eine dreiviertel Stunde vom heutigen "Platz der Luftbrücke" bis zur Abfertigungshalle des Flughafens? Wo sind die Fotos, Ansichtskarten und Reiseandenken aus London? Gab es damals eine vierbändige Poe-Erstausgabe für etwa ein Pfund zu kaufen?
Dazu fällt mir nur der launige Spruch von Lutz Hagestedt (2002 in der FR) ein: "Die Arno-Schmidt-Forschung ist die Grüne Basis der Literaturwissenschaft, ohne Ahnung von aktuellen Moden und Methoden". Es ist doch völlig schnurz, ob die Schmidts 1938 nun real oder nur in ihrer Vorstellung in London waren. Ob sie sich in Tempelhof verlaufen haben, ob der Dampfer schwarz oder weiß gestrichen war usw. Dem Texter geht es um eine menschliche Schmälerung des Dichterpaars, um sich selbst zu erhöhen. Und er befindet sich damit in zahlreicher Gesellschaft: Seumefreunde in der sächsischen Provinz müssen jetzt auch erst einmal fünf Minuten den Großen Spaziergänger klein reden, bevor sie ihre bunten Bildchen zeigen. Und wenn man im Netz etwas über Sun Yat-Sen sucht, findet man zuerst eine Magisterarbeit, die diesen als aufschneiderischen und windigen Selbstdarsteller brandmarkt. Eine mögliche Erklärung wären "antideutsche" Karriere-Netzwerke im feuilletonistisch durchherrschten Literaturbetrieb als Verursacher dieser Abwertungsversuche. Heutiger deutscher Selbsthass wird auf den Dichter übertragen, eigentlich nur um zu sagen: "Er ist unser!" - Er ist es nicht, sie sind es nicht, werden es niemals sein!
 
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von hadie community
montag, 17.11.08
Nach 221 Tagen ist heute ein Luftpost-Brief aus Halle bei mir eingetroffen und ich überlege, ob ich sieben Monate Laufzeit normal finden soll? Na gut, der Brief ist handschriftlich und in einem nicht ganz einfachen Deutsch geschrieben. Ein alter Lehrer gab mir Mitte April Tipps für den Berufseinstieg. Jetzt steht mein Nachfolger schon in den Startlöchern. Er hat mehrere Jahre Erfahrung in der Arbeit mit schwierigen Jugendlichen. "Der wird euch schon die Hammelbeine lang ziehen!" wurde den Studenten anscheinend sinngemäß gesagt, denn sie erkundigen sich besorgt bei mir. Ich habe Herrn R. gefragt und kann alle beruhigen: er ist nicht streng.
 
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von hadie community
sonntag, 09.11.08
Genosse MaoOh Klassenkampf, du Donnerwort!
Im World China-Forum beschäftigt sich Wang Peng mit den "universellen Werten", die Chinas politische Köpfe seit geraumer Zeit beschäftigen. Gemeint sind weniger Demokratie, Freiheit, Konstitution und Menschenrechte, eher eine "harmonische Gesellschaft", die mittels administrativer Reformen erreicht werden soll. Im Lichte der marxistischen Klassenanalyse ringen hier zwei Klassen im Kapitalismus um die Deutungshohheit über den Begriff der "universellen Werte". Für die moderne Arbeiterschaft, das produktionsnahe Management und Teile der großstädtischen Intelligenz ist die Verwirklichung der politischen Konstitution ein hoher "universeller Wert", gipfelnd in einer fein ausbalancierten Gewaltenteilung zwischen drei (nach Sun Yat-sen sogar fünf) Säulen. Oligarchische und korporatistische Kapitalisten mögen es lieber ungezügelt und neoliberal, brauchen dazu den autoritären Staat gegenwärtigen Zuschnitts. Schon der Genosse Mao wusste, dass Klasseninteressen immer auch materielle Interessen sind. Und so finden sich auf Seiten der harmoniebedürftigen Korporatisten auch viele Stadtarme, dazu die alte Intelligenzija aus den Staatsbetrieben und großen Verwaltungen, bis hin zum Sicherheitsapparat. Die globale Finanzkrise schwächt beide Seiten. Soziale Verantwortung trauen alle eher dem überkommenen Staat zu. Beiträge zu zukunftsfähigen Strukturen sind, (wenn überhaupt) wohl nur von den neuen "zivilisierten Kapitalisten" zu erwarten.
 
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von hadie community
mittwoch, 05.11.08
Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie verboten. Mit Barack Obama hat ein community organizer aus Chicago die US-Wahlen gewonnen, ein ausgebildeter Sozialpädagoge, erfahren in der Arbeit mit Horden ignoranter und inkompetenter Fahnenschwenker an "sozialen Brennpunkten". Mit nationalistischen Eiferern, Konsumenten auf Pump und den ehrenamtlichen Evangelisten des unregulierten Marktes. Die haben für Obamas Wahlkampf gespendet und erwarten nun, dass ihr Sozialarbeiter doch bitte mal schnell den Scherbenhaufen seines Vorgängers zusammenkehrt. Gegen die Finanzkrise soll es ein massives Investitionsprogramm geben und ein paar Tropfen aus der großen Gießkanne werden wohl auch auf "grüne Jobs" fallen. Außenpolitisch wird die Regierung Obama zweifellos versuchen, das Imperium wieder zur globalen "Nummer Eins" zu machen. Der alte und neue Verteidigungsminister Robert Gates wird wohl den politischen Rückenwind nutzen und versuchen, die beiden vom Finanzkapital vom Zaun gebrochenen Kriege doch noch zu gewinnen. Sozialpolitische Wohltaten sind eher nicht zu erwarten, Millionen Billiglöhner haben weiterhin keine Aussicht auf eine Krankenversicherung, Arbeitslosigkeit bleibt persönliches Versagen, für das man sich gefälligst zu schämen hat. "The Change" ist kein Regime-Change und der "amerikanische Traum" bleibt ein Alptraum. Einziges Zeichen des Wandels ist die Hautfarbe des Präsidenten.
 
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von hadie community
freitag, 24.10.08
Pioniergruß"Immer konkreter werdende Signale für einen tiefen Wirtschaftsabschwung" hört heute die FTD Online. Ich höre Musik und Lautsprecher-Ansagen vom zweitägigen Sportfest des Colleges. Die Veranstaltungen sind eher locker organisiert, nur die Studenten dürfen jetzt tagsüber nicht das Campusgelände verlassen. Ich lasse mich kurz auf dem Sportplatz sehen und mit albernem Grinsen fotografieren, dann habe ich zwei Tage frei. Mit dem Linienbus fahre ich in die City und sehe, dass gerade östlich vom College mit dem Bau von zwei neuen Wohntürmen begonnen wird. Auch das Gründerzentrum daneben platzt aus allen Nähten und bekommt einen oder mehrere Anbauten. Am "World Trade Center" wird fleißig Beton gepumpt, die beiden markanten Türme haben wohl schon zehn Etagen erreicht. Wenn das Osama wüßte! Nur der Fernsehturm ist abgeschaltet, weil ringsum eine Shoppingmall und etliche Wohn-Hochhäuser errichtet werden. Der Turm soll die besondere Attraktion darin werden, im Prospekt sieht es aus wie das Vergnüngungsviertel aus 'Final Fantasy 7'.
Keine Spur von Panikstimmung, nur das Warenangebot in den Kaufhäusern ist immer noch entweder völlig unattraktiv, sichtlich mangelhaft oder überteuert. Ich stehe nun mal nicht auf Plastikramsch, falsche Gucci-Täschchen oder echte Breitling-Uhren. So kaufe ich doch nur wieder vietnamesischen Instant-Kaffee, japanische Nudeln und chinesisches Insektenspray. Das Zeitungsangebot ist vielfältig und die Lokalblätter berichten über den neuesten Hunrun-Report, eine Liste superreicher Chinesen (www.hunrun.net). Ein Blatt vermeldet, dass der Oberbürgermeister leicht angesäuert sei, weil von den 1000 reichsten Chinesen nur 13 "Plutokraten" in Changzhou residieren. Die haben Probleme: "Die globale Kreditkrise und die Stärke des RMB machen Aquisitionen in Übersee für Chinas sehr liquide Tycoone leichter denn je", heißt es auf der Hunrun-Webseite. Ja klar, die Nationalbank pumpt die Geldblase für Banker, Superreiche und Spekulanten immer wieder auf, während die Kleinverdiener längst arbeitslos zu Hause sitzen. Warum sollte es hier anders sein?
 
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An aide-de-camp's recollections of service in China a residence in Hong-Kong, and visits to other islands in the Chinese seas. 1 (Arthur Augustus Thurlow Sir Cunynghame)